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Gestern hatte unser Partner E-Plus mit einer bundesweiten Störung zu kämpfen. In der Zeit zwischen 7:30 Uhr und 15:47 Uhr war die eingehende Telefonie sowohl netzintern als auch von außen teilweise nicht möglich. Wie Teltarif gestern berichtete, waren dabei auch Kunden von Base und simyo betroffen. Obwohl wir als MVNO auch die Masten von E-Plus nutzen, hatte die Störung auf uns aber keine Auswirkung.

Warum wir vom „Grünen Ausfall“ nicht betroffen waren.

Wir betreiben für unsere Mobilfunkprodukte ein eigenes, selbst entwickeltes Core-Netz und eigene Interconnects für unsere Mobilrufnummern. Was das konkret bedeutet, versuche ich mal kurz zu erklären:

Wenn meine Oma mich von ihrem Mobiltelefon aus anruft, geht der Anruf zuerst zu ihrem Anbieter (Carrier). Die Telekom als Transit-Carrier leitet alle Rufnummern mit dem Ziel „sipgate wireless“ (01579, oder portierte Rufnummern) an die Übergabepunkte (Interconnects) zur „sipgate wireless“ weiter. Ab diesem Zeitpunkt ist das Gespräch in unserem Netz und wir können es über unseren eigenen Interconnect an E-Plus/o2 zustellen. Ich habe das mal professionell aufgemalt:

interconnects
Man kann also erkennen, dass wir so bei eingehenden Gesprächen vor Störungen in der Technik unserer Partner geschützt sind. Gut, oder?

17 Kommentare

Ich finde es gut, dass ihr das veröffentlicht habt. Einmal um zu verdeutlichen, warum ihr nicht vom Ausfall des E-Plus Netzes betroffen seid und ihr damit auf Euer eigenes Core Netz hinweist. und dass ihr lediglich die Masten von E-Plus (und Telefonica ?) nutzt. Zudem ist schön erklärt wie das in Eurem Core Netz technisch abläuft. Läüft jede Mobilfunk Zusammenschaltung in Deutschland immer über die Telekom, egal welche deutschen Mobilfunknetze betroffen sind? Haben die deutschen Mobilfunknetze dafür T-Systems beauftragt? Oder hat die Oma eine Anschluß bei der Telekom? Das ist sicherlich nicht nur mir nicht klar. Ich bin sicherlich nicht der einzige der erfreut wäre, wenn ihr auch diesen Punkt in der oben genannten Zeichnung uns nicht Fachleuten erklären würden.
Vielen Dank im Voraus.

Hallo Werner und Jonas,
gerne doch. Einen Interconnect mit der Telekom sollte in Deutschland jeder Netzbetreiber haben, weil dies den Einstieg erleichtert, da die Telekom mit allen anderen Netzbetreibern verbunden ist und somit den Austausch von Gesprächen mit jedem Teilnehmer ermöglichen kann. Weitere Interconnects können Netzbetreiber nach Bedarf direkt untereinander aufbauen. Wir haben mit ein paar anderen Netzbetreibern aus strategischen Gründen auch direkte Zusammenschaltungen, jedoch im Moment keine mit den anderen Mobilfunkanbietern. Zwischen O2 und Vodafone wird es aufgrund der Masse an Gesprächen sicherlich direkte Verbindungen geben, für uns wäre das derzeit aber mehr Verwaltungsaufwand als dass es Nutzen bringen würde.

Wo liegt denn jetzt genau der generelle Vorteil? Hat E-Plus sein Core-Netz schlechter gegen Ausfall gesichert als Sipgate? Ich als Kunde bin doch in jedem Fall von der Funktion meines Core-Netzes abhängig, egal ob dieses von E-Plus, Sipgate oder Provider XYZ betrieben wird… von daher verstehe ich nicht, wo der „Vorteil des eigenen Core-Netzes“ liegen solll.
Im Gegenteil kann ich mir vorstellen, dass für die Anbindung eines MVNO in der Regeln mehr Schritte/Technik zum Einsatz kommt gegenüber der Anbindung direkt beim jeweiligen Mobilfunkbetrieber/Netz. Mehr Schritte/Technik bedeuten in der Regel auch mehr Ausfallwahrscheinlichkeit und nicht weniger.

Der generelle Vorteil liegt darin, dass wir unsere eigene Technik betreuen und an unsere Anforderungen schnell anpassen können. Nur so können wir die Mobilfunktelefonie in unsere sipgate team Telefonanlage integrieren wie wir es wollen. Dabei betreiben wir wie bei all unseren Produkten unsere selbstgeschriebenen Lösungen statt Black Boxes einzukaufen. Das macht uns wahrscheinlich zum flexibelsten Mobilfunkanbieter Deutschlands. Und wir können deutlich schneller auf Probleme reagieren als das mit gekauften Lösungen möglich wäre.
Bei Ausfällen wie dem vom letzten Donnerstag im Speziellen lag der Vorteil natürlich darin, dass wir nur wenige Komponenten bei Telefonica mitbenutzen und wir somit je nachdem wo gerade ein Dienst ausfällt nicht immer betroffen sind. Natürlich passieren auch in unserem Core-Netz hin und wieder Fehler, aber wir können darauf selbst reagieren statt auf andere zu warten.

Sehr gut, aber das wirft bei mir eigentlich mehr Fragen auf als es beantwortet. Wie das mit den Interconnects aussieht, kann ich mir glaub ich noch irgendwie vorstellen. Wird ja sicher beim Festnetz ähnlich so sein.

Aber wie ist es überhaupt möglich, ein eigenes Core-Netz zu betreiben? Macht E-Plus das freiwillig, oder gibt es da Regulierungen für die Konkurrenz? Wo ist denn die Schnittstelle zum Core-Netz? Habt ihr einen Port bekommen, wo sich direkt eine Basisstation meldet und die Verbindung herstellt? Oder sind eure Sim-Karten bei E-Plus getagt und die Anfragen dazu werden an euch geforwardet? Wäre es theoretisch mit eine Simquadrat-Sim möglich an der selben BTS mehr Bandbreite zu erhalten (wenn angenommen z.B. die E-Plus Backbone „voll“ ist)? Oder vielleicht öffentliche IP-Adressen ? IPv6 ? Arbeitet Ihr so weit unten, dass Ihr das theoretisch umsetzen könntet ? Das würde mich mal interessieren =).

@Matthias:
Netzzusammenschaltungen werden nicht an Basisstationen gemacht, sondern zwischen den sog. Vermittlungsstellen.

Die Vermittlungsstellen schalten eine Verbindung zwischen zwei Telefonteilnehmern zusammen. Sitzt der zweite Teilnehmer dann eben im Festnetz, wir das Gespräch an definierten Übergabepunkte aus dem Mobilfunknetz raus in das Festnetz übergeben. Das sind die Interconnection-Points.
Der umgekehrte Weg, als vom Festnetz ins Mobilfunknetz läuft genauso ab.

Zu welchem Mobilfunkanbieter ein Gespräch geschaltet wird, „weiss“ das Telefonnetz aufgrund der Vorwahl und bei portirten Rufnummern durch eine Abfrage der sog. zMRDB ( zentrale Master Routing Datenbank ). In der zMRDB sind alle Mobilfunknummern gespeichert, die mal zu einem anderen Netzbetreiber portiert wurden. Also z.b. eine 0171er Nummer, die nun bei E+/O2 im Netz ist. Diese zMRDB wird von der Telekon, genauer von T-Systems für alle Netzbetreiber betrieben.

Sorry, ist technisch, aber Mobilfunknetze sind mittlerweile sehr komplex und leider nicht „untechnisch“ erklärbar.

Hallo Matthias, soweit ich weiß gibt es keine Regulierungen für Core-Netze (bzw. MVNOs, virtuelle Netzbetreiber). Das kann jeder Netzbetreiber selbst entscheiden, ob und wieviele MVNOs er in sein Netz lassen möchte. Man muss auch noch zwei Arten von MVNO unterscheiden. Die meisten Angebote (Aldi Talk, simyo, BildMobil) benutzen die komplette Technik der entsprechenden Netze mit und sind dementsprechend auch auf die Mitarbeit des Netzbetreibers angewiesen – man könnte sie auch als Reseller bezeichnen, fürs Marketing klingt MVNO natürlich sexier. Einen „Full MVNO“, wie wir es sind, gibt es in Deutschland nur sehr selten, neben uns höchstens noch eine Hand voll. Wir haben lange nach einem Partner für unser Angebot gesucht, haben in alle Richtungen lieb mit den Augen geklimpert und irgendwann hat E-Plus uns dann die Zusage gegeben. 😉
Technisch haben wir eine Anbindung mit Telefonica, die eigentlich sogar ziemlich ähnlich zu einem normalen Interconnect aussieht, allerdings übertragen wir da zum Großteil andere Daten darüber. Telefonica kennt unsere SIM-Karten und unsere Nummernbereiche und schickt uns einfach alles von den Funktürmen oder von außen weiter, was für uns bestimmt ist. Somit „belästigt“ die Kommunikation unserer SIM-Karten die meisten Systeme von Telefonica nicht.
Beim Datenverkehr gibt es die Möglichkeit, die Geschwindigkeit pro SIM zu begrenzen. Wenn das Telefonica für ihre eigenen SIMs tun würde, hätte das für uns nicht zwingend Auswirkungen. Von einem Netzengpass im Telefonica-Backbone wären wir nicht betroffen, aber wenn irgendwas voll ist, dann wohl eher die BTS als der Backbone. Bei der Vergabe der IP-Adressen haben wir tatsächlich (relativ) freie Hand, feste IPs wären denkbar. Für IPv6 müssten wir wohl auf beiden Seiten der Anbindung noch Anpassungen vornehmen.

Übrigens, falls jemand darüber mit uns persönlich sprechen möchte, wir könnten das auch beim Mittagessen tun. Dafür bitte hier entlang: http://lunch.sipgate.de

Also ich habe jetzt mal ein paar Fragen. Finde das alles sehr interessant.

Ihr seit ein echter Full MVNO, wie seinerzeit Quam und Vistream oder? Drillisch jedoch ist ein MBA MVNO und kann zu einem echten Full MVNO oder sogar Netzbetreiber werden.

Nun die Frage, wer hat hier die besseren Positionen? Der MBA MVNO oder der Full MVNO???

Zudem würde ich gerne wissen ob es dann möglich wäre zu sagen ok ich mache einen eigenen Service Provider auf und möchte Veträge verkaufen die auf dem sipgate wireless Netz laufen. Ist dass möglich?

Und ich würde so gerne wissen, wie viel Mobilfunkkunden Sipgate hat.

Ich hoffe auf eine Antwort 🙂

Hallo Florian, „kein Netz“ war bei dem Ausfall vom Freitag laut Teltarif kein bekanntes Symptom. Insofern muss da ein anderer Fehler vorgelegen haben. Telefonica baut derzeit jede Woche in verschiedenen Bereichen Funkzellen um, in der Zeit der Arbeiten kann es zu Einschränkungen kommen. Bei Netzstörungen ist es leider sehr schwer, im Nachhinein Fehler und die Ursachen zu lokalisieren. Ich gehe mal davon aus, dass es jetzt wieder funktioniert. Falls nicht, wende Dich doch bitte an unsere Kundenbetreuung.

Hey ich warte immernoch auf Antwort. Ihr könnt mir auch gerne via Email antworten. Sie meine Fragen vom 26.04.2016. Danke…

Hier zeitnah zu antworten ist nicht so die Stärke von Sipgate. Wäre nicht so schlimm, wenn man die Kommentare zu einem Beitrag abonnieren könnte oder alle Kommentare per RSS-Feed abonnieren könnte … So kommt die Antwort vielleicht erst dann, wenn man nicht mehr guckt.

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